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Mitmachen erwünscht in den  Heilbronner Museen

Die Heilbronner Museen sind nicht nur seit vielen Jahren verlässliche Partner an der Seite von Zappelino, sondern bieten mit spannenden Dauerausstellungen, wechselnden Sonderausstellungen und vielfältigen Mitmachaktionen ein breites Angebot für Familien in der Region.

Im Gespräch mit Birgit Hummler, stellvertretende Museumsleitung, und Jasmin Kuhlmey, Museumspädagogin, erfahren wir, wie die Heilbronner Museen junge Besucher gezielt fördern und Familien ansprechen. Darüber hinaus zeigen sie, wie in Zusammenarbeit mit der Jungen Akademie Christoph Reinwald besondere Bildungs- und Kreativangebote für Kinder entstehen.

Frau Hummler, welche Dauerausstellungen in den Heilbronner Museen sind besonders spannend für Familien und Kinder?

Birgit Hummler: Von den vier Sammlungsbereichen – Archäologie, Naturgeschichte, Kulturgeschichte und Kunstgeschichte –,  die in den Heilbronner Museen gezeigt werden, eignen sich die historischen Ausstellungen besonders gut für Familien. Sie sind sehr interaktiv gestaltet und ich beobachte: Mitmachen ist nicht nur für Kinder gut – auch viele Erwachsene möchten eine Ausstellung aktiv erkunden. Das machen Familien dann gerne gemeinsam im Miteinander.

Dabei bieten wir mit dem Kunstbereich eine gute Mischung: Er regt die Fantasie an, inspiriert und eröffnet neue Perspektiven auf die Werke – oft wirken diese Eindrücke noch lange nach dem Museumsbesuch nach.

So ist für Kinder, Eltern, Großeltern und für viele Interessierten etwas dabei.

Viele Erwachsene kennen Museen noch als eher klassische und ruhige Orte. Welche neuen Wege gehen die Heilbronner Museen heute, um lebendig und zeitgemäß zu sein?

Birgit Hummler: Früher war es üblich, Ausstellungen stark wissenschaftlich auszurichten. Erst gegen Ende der 1980er-Jahre entstand zunehmend der Gedanke, Besucherinnen und Besucher gezielt einzubeziehen und durch interaktive Führungen zum Mitmachen anzuregen. Die klassischen Vitrinen mit viel Text sind im Grunde aus den Museen verschwunden. Gerade die Konzeption von Dauerausstellungen ist dabei sehr anspruchsvoll. Es geht darum, ein Objekt – beispielsweise ein Fossil oder ein archäologisches Fundstück – so zu präsentieren, dass es ansprechend und lebendig wirkt: durch Inszenierung, Beleuchtung, Gestaltung, interaktive Elemente, multisensorische Angebote und Mitmachstationen. Wenn all diese Aspekte stimmig ineinandergreifen, erzählen auch die unscheinbarsten Exponate viele spannende Geschichten.

Historische Ausstellungen sind daher typischerweise stärker auf Beteiligung ausgelegt. In der Kunst dagegen spricht oft das Kunstwerk für sich.

Wer kuratiert Ihre Ausstellungen?

Birgit Hummler: Unsere Dauerausstellungen werden von unseren Hauskuratorinnen und -kuratoren konzipiert. Bei den Sonderausstellungen arbeiten wir teils selbst kuratorisch, teils übernehmen wir Ausstellungen und passen sie „nur“ an unsere Räumlichkeiten an, was aber auch herausfordernd sein kann. Unsere aktuelle Kinder-Mitmach-Ausstellung „Kelten Kids“ haben die Kolleginnen und Kollegen vom Archäologischen Museum Colombischlössle in Freiburg im Breisgau entwickelt. Nach der Station in Heilbronn wird sie auf der Heuneburg zu sehen sein. Die nächsten Sonderausstellungen, zum Beispiel „H2Oho! Heilbronn entdeckt das Wasser“, die ab 30.7.2026 zu sehen sein wird, kuratieren wir selbst. Bei diesem Projekt arbeiten wir sehr partizipativ. Die Besucherinnen und Besucher sollen an mehreren Stationen einbezogen werden und alle Generationen sollen aktiv mitmachen – da bietet eine zeitgemäße Sonderausstellung viele tolle Möglichkeiten.

Gibt es spezielle Angebote für Kinder?

Jasmin Kuhlmey: Ja, es gibt ein vielfältiges Angebot für Kitas, Grundschulen sowie weiterführende Schulen. Zusätzlich finden während der Ferien regelmäßig besondere Angebote und Aktionen speziell für Kinder statt. Darüber hinaus bieten wir ein breites Programm für Familien an – zum Beispiel Formate wie „Oma und Opa im Museum“, Familienführungen oder „Mit Baby auf KulTour“.

Mit „Baby auf KulTour“ klingt spannend – für wen ist dieses Angebot gedacht und wie läuft so ein Besuch ab?

Jasmin Kuhlmey: Eltern und deren Babys sind eingeladen, an einer Führung in entspannter Atmosphäre teilzunehmen. Ob im Tragetuch oder im Kinderwagen – das Baby ist mit dabei und darf jederzeit gestillt, gefüttert oder gewickelt werden. Und wenn es mal schreit, stört es niemanden. Bei manchen Angeboten besteht sogar die Möglichkeit, die Kleinen einzubeziehen, beispielsweise durch das Vorspielen von Tierstimmen oder Musik, dem Riechen und Fühlen an multisensorischen Stationen. Dieses Angebot würde sich auch perfekt für eine Krabbelgruppe, PEKiP-  oder Babymassagegruppe eignen. Es ist eher als Wohlfühltermin in einer schönen Atmosphäre gedacht – das kulturelle Umfeld steht dabei im Vordergrund und nicht die Vermittlung vieler Informationen.

Ist es erforderlich, die Kinder auf einen Museumsbesuch vorzubereiten?

Jasmin Kuhlmey: Eine Vorbereitung ist nicht nötig – Neugierde und Fantasie reichen völlig aus. Bei den ‚KeltenKids‘ muss das Kind auch noch nicht lesen können. Wichtig ist lediglich, dass eine begleitende Person aktiv mitmacht.

Wie ist die Resonanz auf Ihr Angebot?

Jasmin Kuhlmey: Wir stellen schon fest, dass die Bereitschaft von Familien, ein Museum zu besuchen, größer ist, was sicherlich auch am erweiterten museumspädagogischen Angebot liegt.

Birgit Hummler:  Darüber hinaus gestalten wir unser Angebot gezielt für immer mehr Zielgruppen und berücksichtigen ganz unterschiedliche Bedürfnisse – sei es durch einfache Sprache, mehrsprachige Angebote oder spezielle Programme für sehbeeinträchtigte Menschen. 

Die Vermittlungsmethoden haben sich grundlegend verändert, was die Attraktivität der Museen deutlich steigert. Mein Eindruck ist, dass viele Menschen großen Spaß daran haben, Kultur zu erleben und sich kreativ mit Inhalten auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt deshalb zählen Museen in ganz Deutschland zu den meistbesuchten Kultureinrichtungen.

Das offene Umfeld im Museum fördert gerade bei Kindern Kreativität und Selbstvertrauen: Kinder können Neues ausprobieren, eigene Ideen entwickeln und aus Fehlern lernen, ohne dass Leistung oder Ergebnis im Vordergrund stehen. So entsteht eine positive Erfahrung, die nicht nur Spaß macht, sondern auch die Lust am eigenen Entdecken und Gestalten stärkt – das ist uns wichtig und auch das Credo der Jungen Akademie Christoph Reinwald.

Die Junge Akademie Christoph Reinwald spielt eine wichtige Rolle in der Bildungsarbeit der Heilbronner Museen. Was genau steckt hinter diesem Angebot – und wie profitieren Familien und Kinder davon?

Birgit Hummler: Unter dem Label ‚Junge Akademie Christoph Reinwald‘ bündeln wir alle unsere Angebote für Kinder und Jugendliche, vor allem für Kita- und Schulklassen. Dabei legen wir besonderen Wert auf nachhaltige Kooperationen mit anderen Kulturanbietern in der Stadt, zum Beispiel mit der Jugendkunstschule, der Musikschule oder dem Literaturhaus. So können unsere Exponate und Inhalte auch über Musik oder Literatur erlebt werden, also auch aus anderen Perspektiven – und die teilnehmenden Kinder haben dabei die Möglichkeit, selbst zu gestalten, zu schreiben und aktiv mitzuwirken. Damit gehen wir über klassische Museumsformate hinaus und begeistern auch Kinder, die noch nie im Museum waren. Dieser besondere Ansatz in der Museumspädagogik und kulturellen Bildung wäre ohne die Unterstützung der Christoph Reinwald Stiftung nicht möglich.

Warum ist es wichtig, dass Kinder früh mit Museen in Berührung kommen?

Birgit Hummler: Wissenschaftlich formuliert lässt sich das vielleicht so zusammenfassen: Zeitgemäße Museen bieten Orientierung und Identität, fördern Resilienz und Persönlichkeitsentwicklung, tragen zur Inklusion und Integration bei, fördern die emotionale Intelligenz und unterstützen erfolgreiche Bildungsbiografien. Deshalb ist für mich wichtig, dass Museen Spaß und Lust auf´s Wiederkommen machen.

Jasmin Kuhlmey: Gerade die Workshops bieten für Kinder eine tolle Möglichkeit, sich auszuprobieren, neue Talente zu entdecken, sich selbst auf eine ganz neue Art und Weise zu entdecken und seinen Horizont zu erweitern. 

Zappelino begleitet Familien seit 25 Jahren – welche Bedeutung haben solche regionalen Elternmedien für Familien in Heilbronn?

Birgit Hummler: Eine ganz entscheidende. Denn das beste Programm nutzt nichts, wenn es nicht bekannt ist. Durch Zappelino sprechen wir Menschen an, denen wir bisher vielleicht noch nicht bekannt sind, daher ist es für uns wichtig, unsere vielfältigen Angebote dort zu platzieren.

https://museen.heilbronn.de/startseite.html

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