Veränderung wagen: Nicole Schäfer über systemische Aufstellungsarbeit und Entwicklung
Seit den Anfängen von Zappelino ist Nicole Schäfer – früher noch Winkler – ein bekanntes und geschätztes Gesicht, das den Zappelino von Anfang an mit geprägt hat. Vor über 20 Jahren besuchten wir dasselbe Yogastudio, verloren uns jedoch aus den Augen, bis Nicole eines Tages auf mich zukam, um ihre Teilselbständigkeit als psychologische Beraterin und systemische Therapeutin vorzustellen. Damals war sie vorwiegend noch in der Straffälligenhilfe mit jugendlichen Straftätern tätig. Und jedes Mal, wenn sich unsere Wege nach einiger Zeit wieder kreuzen, sind wir beide überrascht und beeindruckt, wie die jeweils andere ihr Business vorantreibt. Dabei teilen wir noch weitere Gemeinsamkeiten: Ursprünglich erlernten wir völlig unterschiedliche Berufe und haben uns jeweils von Grund auf etwas Neues aufgebaut. Zudem standen wir beide als Alleinerziehende vor besonderen Herausforderungen – Erfahrungen, die unsere Wege und Perspektiven nachhaltig geprägt haben. Vor unseren Treffen sind wir immer gespannt, was es Neues zu berichten gibt – welche Projekte gerade wachsen, welche Ideen umgesetzt werden und welche überraschenden Wendungen das Leben bereithält. Meist sind wir gleichermaßen beeindruckt davon, wie sich unsere Wege entwickelt haben, und gleichzeitig inspiriert, neue Schritte zu wagen.
Du hast ja ursprünglich als psychologische Beraterin mit Einzelpersonen, aber auch mit Paaren, gearbeitet und auch Aufstellungen für Familien und Organisationen gemacht. Wie kam es dazu, dass sich dein Angebot jetzt nur an Frauen richtet?
Dies war ein langer Weg dahin. Es hat einige Jahre und viele Erfahrungen gedauert, bis sich dieser Weg, mit Frauen zu arbeiten, gezeigt hatte. Zuerst gab ich die Paartherapie auf, da sich bei mir mit meinem Wissen um die Aufstellungsarbeit immer schon gezeigt hat, dass, wenn auch die Paare nicht an der Ursache ihrer Themen arbeiten, jede Paartherapie nur bedingt unterstützt. Es muss sich das angesehen und bearbeitet werden, was jeder mitbringt in die Beziehung. Da reicht ein Wochenenddate nicht als Lösung. Dann begann ich mir die Männer anzuschauen: Was sind sie bereit, sich anzuschauen? Die Bereitschaft war eher mäßig und meine Arbeit ging immer tiefer. Dann, nach einer Aufstellung für mich bei meiner Kollegin, kristallisierte sich ein Bild, das ich so noch nie gesehen habe, aber schon immer wahrgenommen und gespürt habe: Die Arbeit mit Frauen. Meine Mama hat sich ja vor 20 Jahren entschieden, die Welt zu verlassen – sie hatte keine Kraft mehr – und nun darf ich die Frauen wieder in ihre Kraft bringen – die Kraft, die meine Mama nicht mehr hatte. Und das war eine so schöne Botschaft meiner Mama und zugleich der Startschuss für die Frauen.

Wie hilfst du Frauen, in die eigene Kraft zu kommen?
Das ist recht einfach – aber langwierig. Die Kraft der Frau wird immer über die Mama weitergegeben. Die Mama ist unsere Quelle, von der wir kommen. Daher ist der erste Weg in die Kraft immer der zur Mama. Allerdings ist es auch der schwierigste und langwierigste … und hier geht es nicht darum, wenn zwischen der Mama und dem Kind unüberbrückbare Differenzen liegen, diese zu übergehen. Es geht ausschließlich darum, Frieden zu schließen.
Wie würdest du deine ganzheitliche Familienaufstellung nach Nicole Schäfer beschreiben?
Diese Ausbildung ist keine weitere Wissensvermittlung oder ein weiteres Coaching-Tool. Diese Ausbildung ermächtigt – sie befreit – sie würdigt das Frau sein – sie achtet das Systemische, denn alles basiert darauf. Sie führt die Frauen an ihren Platz.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt darauf, Aufstellungen ganzheitlich zu erleben, zu spüren und umzusetzen. Durch die intensive Auseinandersetzung mit systemischen Themen erhalten die Teilnehmenden einen umfassenden Blick auf die Dynamiken, die Familienaufstellungen prägen. Mit einem ganzheitlichen und sensiblen Ansatz wird behutsam durch die Grundlagen des systemischen Aufstellens nach B. Hellinger geführt. Sie bekommen Zugang zu vielfältigen Werkzeugen und werden von weiteren 6 erfahrenen Expertinnen begleitet. Die ganzheitliche Familienaufstellung nach Nicole Schäfer ist kein bloßes Werkzeug, sondern eine Haltung.
Für Frauen, die über deine Ausbildung nachdenken: Was würdest du ihnen sagen, wenn sie unsicher sind, ob sie diesen Schritt wagen sollen?
Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren mit unserer Arbeit dringend gebraucht werden. Um Menschen zu begleiten, um Räume zu halten. Möchtest du die Frau der neuen Zeit sein? Wenn du tiefgreifende Veränderungen für dich und dein System erleben und spüren möchtest, und du dir ein friedliches, großes Ganzes wünschst, ist die Ausbildung genau das Richtige.
Wenn du auf deine über 20-jährige Erfahrung zurückblickst: Gibt es ein Erlebnis oder eine Veränderung, die dich besonders berührt oder beeindruckt hat?
Da gibt es unsagbar viele und jedes Erlebnis ist magisch. Während der Ausbildung geschieht unglaublich viel; vom Jobwechsel bis zur privaten Veränderung ist alles dabei. Was ich allerdings immer sagen kann: Wenn du deinen Kindern ein Geschenk machen möchtest, dann schaue dir deine Themen an und beende deine Geschichte, damit deine Kinder nicht deine Geschichte fortführen müssen – sie dürfen eine neue schreiben.
Du begleitest Zappelino ja schon seit vielen Jahren. Wie hast du die Zusammenarbeit erlebt und was bedeutet dir die Zeitung persönlich?
Ich schätze an dir und dem Zappelino sehr, dass du die ganzen Jahre deinem Stil treu geblieben bist und Unternehmerinnen aus der Region förderst und sie durch dich eine schöne Plattform bekommen, um sich vorzustellen.
Danke, dass ich so viele Jahre dabei sein darf – von der Schulsozialarbeiterin mit meiner Handpuppe Benny – bis heute zur Expertin für Familienaufstellungen und Gründerin der Ausbildung – danke, liebe Christiane.
Infos: Nicole Schäfer, Burgweg 12, 87629 Füssen, Tel.: 0170/77 33 99 7


