„Nur noch 5 Minuten.“ „Nur noch dieses Level.“ Wie oft haben wir diese Sätze schon gehört? Aus fünf Minuten werden zwanzig und beim Abendessen dreht sich alles um Regeln, Bildschirmzeit und Grenzen. Die Stimmung ist im Keller.
Sehr oft wird mir die Frage gestellt: Wie viel Gaming ist eigentlich gesund? Eine einfache Antwort darauf gibt es leider noch nicht.
„Mich beschäftigt inzwischen eine andere Frage: Was macht manche Spiele so spannend, dass Kinder immer wieder zu ihnen zurückkehren?“, fragt die Gründerin von Algorithmics, Anamaria Cotoara.
Die Forschung liefert dafür interessante Erklärungen. Der Psychologe Lew Wygotski beschrieb bereits vor fast hundert Jahren, dass Kinder besonders gut lernen, wenn eine Aufgabe herausfordernd ist, aber erreichbar bleibt. Ist sie zu leicht, wird sie langweilig. Ist sie zu schwer, geht die Motivation oft verloren.
Viele erfolgreiche Spiele folgen Prinzipien, die erstaunlich gut zu diesen Erkenntnissen der Lernpsychologie passen. Neue Herausforderungen bauen auf bereits Gelerntem auf und der Schwierigkeitsgrad steigt mit jeder Aufgabe ein wenig an. Dadurch erleben Kinder immer wieder kleine Erfolgserlebnisse, ohne sich überfordert zu fühlen.
Der ungarische Psychologe Mihály Csíkszentmihályi beschrieb einen ähnlichen Zustand mit dem Begriff „Flow“: Menschen gehen so sehr in einer Aufgabe auf, dass sie Zeit und Umgebung kaum noch wahrnehmen.
Darin liegt aber auch die Herausforderung. Das echte Leben funktioniert selten wie ein gutes Spiel: Matheaufgaben sind manchmal frustrierend, Freundschaften können kompliziert sein und nicht jede Anstrengung wird sofort belohnt. Ein Spiel reagiert dagegen unmittelbar auf das, was ein Kind tut: Es zeigt Fortschritte, vergibt neue Aufgaben und vermittelt das Gefühl, dass die nächste Lösung erreichbar ist.
„Für mich heißt das nicht, dass Gaming grundsätzlich verboten werden sollte. Entscheidend ist, welchen Platz es im Alltag eines Kindes einnimmt“, so die Gründerin weiter.
Wenn Kinder Erfolg fast nur noch in digitalen Welten erleben, sollte uns das nachdenklich machen. Entwickelt sich Gaming dagegen zu einem Hobby, das Kreativität weckt, Ausdauer fördert und zum Nachdenken anregt, kann daraus durchaus etwas Wertvolles entstehen.
Aber wie bei allem gilt: Es kommt darauf an, was drinsteckt. Nicht jedes Spiel fördert Kreativität oder Ausdauer – manche halten Kinder einfach nur beschäftigt. Eine gute Orientierung bietet der Spieleratgeber NRW. Dort werden Spiele nicht nur nach Altersfreigaben bewertet, sondern auch hinsichtlich ihres pädagogischen Potenzials.
https://spieleratgeber-nrw.de/spiele
„Aus diesem Grund erweitern wir unser Angebot ab September um einen Minecraft-Kurs für Kinder von 9 bis 12 Jahren. Minecraft bietet einen guten Rahmen, in dem Kinder eigene Ideen entwickeln, ausprobieren und umsetzen können. Unsere Devise bringt das auf den Punkt: Lernen. Spielen. Gestalten.
Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, Kinder vom Spielen fernzuhalten. Es geht vielmehr darum, ihnen zu zeigen, dass sie dieselbe Begeisterung, dieselbe Ausdauer und dieselbe Kreativität auch außerhalb eines Spiels erleben können“, rät Anamaria Cotoara, Gründerin von Algorithmics Heilbronn.
Infos:
algorithmicsheilbronn.de
heilbronn@alg.academy
Tel.: 07132 85 79 519

